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Sonntag, 19. Juli 2015

Borbarads Fokus

18. Rondra 1017 BF

Als wir zu unseren Pferden kommen, sind sie ziemlich ausgemergelt. Ragnar lässt dem Elf, auf seine Bitte hin, seinen Bogen zurück. Es sind wohl schon einige Tage vergangen. Blauer wolkenloser Himmel erwartet uns draußen und die Sonne scheint. Dem Sonnenstand nach ist es bestimmt schon Nachmittag. Wir eilen zurück zum Kloster und erreichen es erst kurz vor Mitternacht.
Schon von weitem sehen wir zwei Gestalten in weißen Kutten auf den Mauern stehen, doch rührt sich keiner der beiden. Die Kuppel des Haupttempels ist erschreckenderweise fertig gestellt.

Vom Bergfried aus bilden sich plötzlich drei rote Lichtstrahlen, die in einer bestimmten Anordnung ausgerichtet werden. Je näher wir kommen desto deutlicher braut sich was zusammen. Starker Wind kommt auf, ein dumpfer Ton erklingt, der immer dröhnender und lauter wird, ehe er fast zu einem schrillen Kreischen erklingt. Plötzlich hören wir Yandrims Stimme laut schallend „Es geschehe!“ rufen, ehe auf dem Klostergelände das völlige Chaos ausbricht.
Am schwarzen Leichenhügel der Orks ist ebenfalls Bewegung zu erkennen.
Wir eilen zum Tor, doch es ist verschlossen. Wir steigen ab und drängen uns durch den Mauerbruch hinter der Schmiede. Ein heftiger Wind stürmt über das Gelände und der Himmel verfinstert sich immer mehr. Die Luft scheint zu knistern, sämtliche Haare stellen sich auf und Kaldrim und ich stürmen zum Bergfried, während Ragnar und Ardo noch zum Tempel eilen.
Als wir ins Kaminzimmer rennen, liegen dort Hüter Bormund, Bannstrahler Ucurian und Hüter Quanion regungslos auf dem Boden. Wir stürzen weiter nach oben, während Magister Emmerich sich um die drei kümmert. Im Scriptorium weichen wir fliegenden Büchern aus, die kreuz und quer durch den Raum fliegen. Die Tür zur Bibliothek steht offen und auch hier fliegen die Bücher durch den Raum. In einer Vitrine liegt das Szepter von Arras de Mott, welches Kaldrim an sich reißt, während ich weiter nach oben eile. Ehe ich die nächste Treppe erreiche, bewegt sich plötzlich ein Wasserspeier auf mich zu, doch ich will keine Zeit verlieren und weiche um die Bücherregale herum aus. Den Geräuschen nach zu urteilen, müssen Ardo und Ragnar kurz hinter uns sein. Im dritten Stock ist eine Falltür an der Decke, doch sie ist verschlossen. Ich lasse Kaldrim nach oben und in nur kurzer Zeit hat er das Schloss geknackt und wir gelangen alle nach oben auf das Dach des Bergfrieds. Inmitten des Dachs steht eine große Sonnenuhr. Um sie herum liegen drei rote Kristalle die von Kuwim, Yandrim und Balasch besungen werden. Als sie uns bemerken, greifen Kuwim und Balasch uns an. Kaldrim wirft zwei Wurfdolche auf Kuwim, ehe ich ihm den finalen Schlag verpasse und er kopflos zu Boden geht. Ragnar kämpft mit Balasch, während Ardo sich um Yandrim kümmert. Auf dem Weg zu Yandrim trete ich einen der Kristalle beiseite und die roten Linien am Himmel verändern ihre Position. Als ich ebenfalls auf Yandrim einschlage, hält Ardo inne und wehrt sich nicht weiter. Zorn wallt in mir auf, dieser rondrianische Irrsinn, ein Kampf wie dieser hat doch nichts mit einem ehrenhaften Zweikampf zu tun. Hier geht es um etwas viel Größeres und Wichtigeres, was aufgehalten werden muss. Das wissen selbst die Götter. Derweil bahnt sich etwas Furchtbares an. Eine donnernde Schwärze am Himmel kommt immer näher. Blitze zucken am Himmel, der Sturm wird immer stärker. Plötzlich greift Yandrim nach Ardo, spricht irgendwas, was ich im Tosen der Luft nicht verstehe, und Ardos Wappenrock geht in Flammen auf. Er weicht zurück und reißt sich denn brennenden Stoff herunter. Hinter mir spüre ich ebenfalls Hitze und als ich mich kurz umschaue, komme ich ins Straucheln und stürze zu Boden. Während ich mich aufrappel, sehe ich wie Ragnar mit einem Unwesen kämpft, dass ständig seine Gestalt zu verändern scheint. Ragnar hat es scheinbar angezündet und brennend windet es sich brüllend mit letzter Kraft gegen Ragnar und Ardo. Man erkennt kurz Gesichter, von Balasch, von Nicola, und anderen die uns nicht bekannt sind, ehe es lichterloh brennend in die Tiefe stürzt. Kaldrim ist derweil bei Yandrim angelangt und stößt ihm angewidert sein Schwert in die Brust. Noch während dieser röchelnd zu Boden geht, hört er Kaldrims letzte Worte "Brillantzwerge sind die einzig wahren Zwerge!"
Die Zwerge und Nicola, oder was auch immer er war, sind besiegt, die Lichtstrahlen der Kristalle verschoben, doch die tosende Schwärze am Himmel rumpelt immer näher heran. In der Ferne sehen wir plötzlich wie ein ganzer Berg zu schmelzen scheint und in Wassermassen auf das Kloster zusteuert und wir stürmen nach unten Richtung Tempel.

Auf dem Weg dorthin kommen uns Geister der ehemals Lebenden entgegen, doch trete ich sie nur beiseite und bahne mir so meinen Weg. Als wir ins Tempelgebäude gelangen, bricht Ragnar fast zusammen und er hält sich sein Auge. Er sieht nur noch rot und erträgt höllische Schmerzen. Wir schleifen ihn mit runter in die Krypta. Kaldrim gelingt es das Schloss zu knacken und als wir die Krypta betreten, öffnen sich die Sarkopharge und uns greifen erneut rastlose Seelen längst Verstorbender an. Doch sind sie für uns keine wirkliche Gefahr, sondern werden von Ardo und mir leicht besiegt. Als Kaldrim die zweite Tür geöffnet hat, eilen wir weiter nach unten und Ardo verschließt die Tür wieder von innen. Kaldrim steckt das Szepter von Arras de Mott in die Sarkopharplatte und der Deckel öffnet sich. Unerwartet liegt dort die mumifizierte Leiche Arras de Motts und Kaldrim bekommt einen riesen Schreck und murmelt verzweifelt vor sich hin. Ragnar ist ebenfalls von Schmerzen geschwächt, doch hier unten scheint es besser zu werden. Nach genauerer Untersuchung heben Ardo und ich die Leiche vorsichtig aus dem Sarg und die Bretter darunter offenbaren eine Treppe nach unten. Kaldrim hatte Recht, doch er traut sich nicht mehr weiter, weder nach oben noch nach unten. Es war wohl doch ein wenig zu viel für sein liebes Gemüt mit diesen vielen Toten. Ihn hat jeglicher Mut verlassen. Doch wir haben keine Zeit zu verlieren und eilen nach unten. Inmitten eines Raumes schwebt eine schwarze Kugel, Blitze zucken daraus hervor und es ist umringt von fünf in den Boden eingelassenen Pentagrammen. Doch ehe wir uns dieser nähern können, erhebt sich plötzlich aus jedem Pentagramm ein Dämonenwesen mit Schwert und Peitsche in den Händen. Schwefelgestank erfüllt den Raum und sie greifen uns an. Ich schlage zu und wider Erwarten macht meine Waffe erheblichen Schaden. Jedoch habe ich auch schon einige Treffer eingesteckt und merke wie meine Kräfte schwinden. Ich versuche mich zurückzuziehen, doch ein Dämon erwischt mich mit der Peitsche und es brennt höllisch in der linken Schulter. Ich weiche verzweifelt weiter zurück und pralle fast mit Kaldrim zusammen, der seinen Mut wieder gefunden hat und ebenfalls nach unten kam. Wir schaffen es die Dämonen zu besiegen und starren auf die Kugel. Als Kaldrim versucht mit dem Szepter zur Kugel zu gelangen, trifft ihn ein Blitzstrahl, doch ansonsten zeigt das Szepter keine Wirkung. Während Ragnar noch überlegt, erscheinen plötzlich fünf neue Dämonen. Doch plötzlich hebt Ragnar seine Hand und ehe seine Worte wirklich seine Lippen verlassen, platzt der Zauber geradezu mit gewaltiger Wucht aus ihm heraus, Blut spritzt aus seinen Lippen und eine mächtige Feuersäule schießt aus seiner Hand auf die Kugel zu, die mit heftiger Wucht auseinander platzt und uns zurückschleudert. Die Dämonen lösen sich auf und das Gebäude beginnt zu bröckeln und mit letzter Kraft schleppen wir uns aus dem Gebäude, ehe es völlig in sich zusammenstürzt.

Ein Blick zum Himmel offenbart uns die Ankunft Borbarads. Ein schwarzer Streitwagen, gezogen von drei Schlangen, er obenauf mit wallenden rot-schwarzen Gewändern. Mit aller Kraft versucht er die Bahn zu halten und kommt auf uns zu. Das Kloster selbst zerfällt zusehendst und wir flüchten aus dem Klostergelände nach Süden. Plötzlich hören wir freundliche Stimmen, die uns Mut zusprechen und uns Schutz gewähren. Die Elementarherren sind gekommen. Eine Wasserwand gebietet uns Schutz, doch wir können noch erkennen wie Luft und Erz mit Sturmwinden und Felsbrocken den Streitwagen zur Flucht zwingen. Wir hören das Tosen des Wassers heranrauschen, das vom Berg auf dem Weg hierher war und eilen schnell in den Bergfried zurück in den zweiten Stock. Ucurian, Bormund und Quanion zerren wir mit, ehe sich die Wassermassen über das Kloster hermachen und alles unter sich begraben und umspülen.

Als das Wasser versickert ist, machen wir uns ein Bild des Klosters. Die meisten Brüder finden wir vergiftet oder ertrunken im Speisesaal, die Gebäude sind überflutet worden und zusammengestürzt. Ich finde weder sauberes Wasser, noch Verbandsmaterial und lege mich wieder erschöpft in die Bibliothek, während die anderen versuchen wenigstens die Toten zu begraben. Auch Arthak hat es nicht überlebt.

Irgendwann fällt mir ein, dass Magister Emmerich ein Heilkundiger ist und ich bitte ihn sich meiner Wunden anzunehmen. Die blutenden verschließt er magisch, die restlichen verbindet er fachmännisch und dankbar sinke ich in einen erschöpften Halbschlaf. Ucurian hat nun mit eigenen Augen gesehen was geschehen ist und denkt nun anders über uns und Borbarad. Er will sogar ein gutes Wort für uns einlegen und wir sollen ihn nach Gareth begleiten zum Boten des Lichts persönlich.

Das Tal der Elemente



Wir folgen der Straße, die Richtung Norden nach Lowangen führt. Der Himmel ist bedeckt, doch es regnet wenigstens nicht. Nach einiger Zeit sehen wir einen kleinen Pfad, der ins Gebirge führt und wir wenden uns auf diesem nach Osten. Ich schaue mir die Umgebung genauer an, da Magus Emmerich ebenfalls immer noch vermisst wird und ich finde einen seltsamen Langbogen im Gebüsch, ziemlich sicher von elfischer Machart. Ragnar bindet ihn an sein Pferd und wir reiten weiter. Die Wolken lichten sich und die Sonnenstrahlen tauchen das Gebirge in ein wunderschönes Abendlicht. Ein Berg liegt besonders schön im Schein und ich genieße den Anblick, bis die Sonne hinter den Bergen versinkt. Als es schon fast dunkel ist, hören wir ein wenig vor uns im Gebirge Stimmen, die von Orks stammen könnten. Als Ardo nach ihnen ruft, verstummen sie, doch es kommt keine weitere Reaktion. Wir kommen an ein kleines Lager, doch weit und breit ist niemand zu sehen. Ein weiterer Pfad führt noch höher ins Gebirge. Doch bei Nacht wäre es viel zu gefährlich ihm zu folgen. Plötzlich erkennen wir in der Ferne einen leuchtend blauen Schimmer und wir machen uns auf den Weg ihn zu erforschen. Unsere Pferde führen wir zu Fuß und gelangen nach einiger Zeit an einen Höhleneingang aus dem das Leuchten kommt.

Wir folgen einem langen dunklen Gang, der in einem riesigen Saal mündet. Alles liegt im blauen Schimmer eines großen Portalbogens an der gegenüberliegenden Seite. Auf dem Boden verstreut liegen Skelette, jedoch keinerlei Waffen oder sonstiges. Ich gehe langsam auf den Torbogen zu, immer darauf bedacht auf keine Knochen zu treten. Einmal bekomme ich einen Schreck, da ich neben mir aus den Augenwinkeln eine riesige Höhlenspinne entdecke, doch auch diese zeigt mit den Füßen nach oben und ist offensichtlich tot. Der Portalbogen trägt alle Elementarzeichen, außer Eis und in der Bogenspitze ist ein kleiner Rubin eingelassen. Doch es gibt keine Tür, sondern inmitten des Portals ist nur eine massive Felswand. Ich klopfe mit dem Dolchknauf an den Stein, doch nichts rührt sich. Ragnar versucht es mit Zauber und wir sehen wie sich eine dünne Eisschicht über den Rubin zieht, ehe sie zerplatzt und ein Windstoß uns alle zurückstößt. Wir versuchen mit Hilfe von Erde, Steinen oder Luft das Tor zu öffnen, doch reagiert der Rubin immer nur kurz. Als wir die Elemente in der Reihenfolge der Anordnung auf dem Bogen anwenden, löst sich die Felswand plötzlich wabernd auf und ein neuer Gang erscheint vor uns, der in die Tiefe führt. Wir folgen ihm, bis er auf einem Felsplateau endet und wir trauen unseren Augen kaum. Ein riesiges helles Tal liegt vor uns. Die Sonne scheint, der Himmel ist leuchtend blau und es weht ein warmer Sommerwind. Doch an den Talkesselseiten ergießen sich die Elemente in die Tiefe. Ein riesiger Wasserfall stürzt in einen darunterliegenden See, an einer anderen Stelle strömt zäh Lava die Wand hinunter in eine Erdspalte, gegenüber rutscht ein riesiger Gletscher hinab und nebendran hören wir das Pfeifen einer Windhose. Schräg vor uns liegt der Abhang voller Geröll und inmitten des Tals liegt ein riesiger Wald, der jedoch völlig versteinert scheint. Wir finden Treppen, die nach unten führen und steigen die vielen Stufen hinab. Die versteinerten Bäume glänzen dunkel und ölig und als Kaldrim an den Stein fasst, schneidet er sich ein wenig. Vorsichtig begeben wir uns in das Innere des Waldes. Keine Waldgeräusche sind zu hören, außer dem Tosen der umliegenden Elemente, hören wir nichts. Selbst die anderen Pflanzen und Tiere des Waldes sind zu Stein erstarrt. Irgendwann erreichen wir eine Lichtung mit einer Anhöhe. Ein weiterer Torbogen weist auf einen Weg unter die Anhöhe, während ebenso einige Stufen hinauf führen. Wir gehen erst nach oben und finden dort alle 6 Elemente in einem Kreis. Eine große Flamme des Feuers, eine Wassersäule, ein kleiner Wirbelwind, eine Eissäule, eine Steinsäule und einen Baum, der jedoch entzwei gesplittert und versteinert ist. Da wir weiter nichts finden können, gehen wir unter die Anhöhe und folgen wieder einem langen Gang, der uns wiederum in einen Raum führt. Der Raum ist mit allerlei Schrifttafeln getäfelt und in einer Ecke sehen wir einen Elf und einen Menschen gefesselt und geknebelt. Ich nehme beiden den Knebel aus dem Mund und wir erfahren, dass die beiden von Archon Megalon gefangen genommen wurden, weil er ihre Kraft benötigte. Der Mensch ist unser vermisster Magister Emmerich von Falkenstein. Während ich die beiden befreie, schaut sich Kaldrim eine Schrifttafel genauer an und liest uns vor, dass vor Urzeiten ein Geode dieses Tal entdeckte und während er hier die Elemente erforschte, errichtete ein finsterer Schwarzmagier eine Feste, welche die Harmonie der Elemente erheblich störte. Irgendwann in einer Vollmondnacht wurden dann alle Elemente erschüttert , am meisten Humus. Der Baum des Humus in der Ritualstätte wurde zerstört und dadurch pure Astralkraft freigesetzt. Doch der Geode schaffte es mit Hilfe der Elementarherren die Feste zu zerstören. Jedoch der Fokus, der im Inneren des Berges ruht, konnte nicht zerstört werden.

Plötzlich hören wir Schritte von oben herab kommen und wir begegnen einem bekannten Gesicht. Der Wanderer, der nach Lowangen wollte. Archon Megalon. Wir tauschen unsere Erkenntnisse aus und uns wird klar, dass Borbarad den Fokus seiner damaligen Feste unter dem Kloster wieder benutzen will. In ein paar Tagen ist Vollmond, wir erfahren jedoch auch, dass die Zeit hier unten langsamer vergeht als oben und wir beeilen uns zum Kloster zurückzukehren. Der geschwächte Elf will hier bleiben bis er wieder zu Kräften gekommen ist, Archon Megalon versucht weiterhin die Elementarherren zu rufen und wir nehmen Magister Emmerich mit zum Kloster.

Der Nächtliche Überfall

10. Rondra 1017 BF

Kaldrim weckt mich irgendwann. Ich setze mich vor unsere Braustube, starre in den Nachthimmel und lausche in die Dunkelheit. Plötzlich höre ich Schritte und leise Grunzlaute aus mehreren Richtungen, aber nicht weit weg von mir. Ich stehe auf, ziehe meinen Khunchomer und gehe Richtung großem Mauerdurchbruch, als ich schon schattenhafte Schemen von Orks entdecke, die langsam auf das Tempelgelände schleichen. Als ich rufe „Wer ist da?“ wird der Aufruhr plötzlich laut und die Orks rennen brüllend Richtung Tempel. Mit einem lauten „Für Rondra!“ stelle ich mich zweien in den Weg und mit nur einem hefigen Hieb, kann ich einen zu Boden schlagen, während der andere mir leider ebenfalls eine tiefe Wunde zufügt. Doch auch gegen ihn kann ich mich behaupten und harte Schläge treffen ihn, doch auch der andere kann sich wieder aufrappeln. Nach einem heftigen Schlagabtausch, habe ich die beiden besiegt, doch wurde auch ich schwer getroffen. Blutbesudelt stürme ich Richtung Klostergarten zu meinen Gefährten, die von dem Kampfeslärm schnell hinzugeeilt sind. Ich sehe Kaldrim halbnackt mit seinem Dolch in der Hand auf einen Ork einreden, einige Schritte daneben liegt Ragnar, ebenfalls nicht viel an, am Boden. Doch Ardo kann ich nirgends entdecken. Plötzlich höre ich Kaldrims Stimme laut von allen Seiten, die donnert „Flieht!“ , was dröhnend durch die Luft getragen wird. Die Stimme kommt von überall her, aus dem Wind, aus der Erde, aus den Bäumchen und ich stocke kurz und blicke mich um. Auch die Orks verharren einen Moment überrascht. Doch da fällt mein Blick wieder auf Ragnar. Über ihm bäumt sich erneut der sehr kräftige Ork gerade auf und will ihm den finalen Schlag verpassen, als ich mich gerade noch dazwischen werfe und mit meinem Säbel den Hieb abwehren kann. Wutentbrannt hole ich mit voller Kraft aus und teile seinen Schädel, dass mein Säbel sogar kurz darin stecken bleibt. Ich ziehe ihn kraftvoll heraus, während ich mit dem Fuß den Ork wegstoße. Ragnar ist bewusstlos und eine große, stark blutende Wunde klafft quer über dem Brustbein. Ich reiße meine Schärpe von mir und versuche die Blutung zu stoppen, während ich laut um Hilfe rufe. Ucurius kommt mir zu Hilfe und stößt mich beiseite. Wir bringen Ragnar ins Badehaus und ich besorge zwei Liegen und gehe Ucurius zur Hand bis Ragnar stabil ist und es überleben wird. Danach wasche ich mir das viele Blut ab und lasse auch meine Wunden verarzten und auch Kaldrim kommt hinzu und lässt sich versorgen. Er hat einen der Orks gefangen genommen. Endlich mal was richtig gemacht, denke ich mir nur. Auf die Frage hin, was er denn eigentlich mit seiner Stimme gemacht hat, weicht er mir aus und macht sich auf die Suche nach Ardo. Wo der abgeblieben ist, weiß ich nicht, doch mache ich mir seltsamerweise auch nicht mehr soviel Sorgen um ihn.

Als Ragnar erwacht, möchte er unbedingt Hüter Bormund sprechen und ich hole ihn herbei. Die Hoffnung, die Ragnar hegte, dass Hüter Bormund nun sehen könnte, dass er nichts damit zu tun hat, sondern sich für die Praioskirche fast hat töten lassen, wird ihm jedoch nicht gegönnt und der Hüter verschwindet wieder. Ragnar legt seine Hand auf seine Brust und murmelt leise etwas vor sich hin. Erstaunt beobachte ich wie sich seine Wunde komplett schließt, die Haut sich regeneriert und nicht einmal eine Narbe zurückbleibt. Er steht auf und meint nur trocken, dass wir gehen könnten, während ich vor Neid fast platze. Ich bin gezeichnet von meinen Kämpfen. Ich sammle fast in jedem Kampf Narben und er zaubert sie sich einfach weg. Nicht einmal seine Tätowierung ist beschädigt, doch schwächt ihn dieser Zauber innerlich.

Wir gehen zurück ins Quartier. Ardo und Kaldrim kommen ebenfalls hinzu. Ardo hat währenddessen den Ork befragt und erfahren, dass die Orks von einem Mann namens Archon Megalon beherrscht wurden um die Kuppel zu zerstören. Ragnar kennt diesen Namen. Er soll ein mächtiger Druide sein, was einiges erklären würde. Wenn er ebenfalls gegen den Kuppelbau ist, so weiß er vielleicht sogar mehr als wir und der Feind unseres Feindes, könnte unser Freund sein. Wir beschließen nach Osten zu reiten, da Ardo eine ziemlich genaue Beschreibung seines Aufenthaltsortes bekommen hat. Wir erfahren noch, dass Nicola, Sercia und der Zwergenfreund von Kaldrim spurlos verschwunden sind. Noch während wir die Pferde fertig machen, will uns Hüter Bormund aufhalten, doch was will er gegen uns schon ausrichten. Wir haben keine Zeit zu verlieren, nachdem Nicola verschwunden ist. Ich verspreche ihm grinsend ein Wiedersehen und wir verlassen das Kloster.

Neue Hinweise

9. Rondra 1017 BF

Als der Morgen anbricht, reiten wir mit Hüter Rochus und all den Büchern und dem Szepter zurück. Als wir ankommen, bringe ich den ausgemergelten Greis zu Bruder Ucurius ins Hospital, während Hüter Bormund die Bücher und das Szepter umgehend und voller Sorge in die Bibliothek bringen lässt.

Als wir uns in der Braustube zusammensetzen um uns auszutauschen was bisher geschehen ist, erfahren wir, dass Kaldrim mit der Novizin Sercia lustwandelte, was angeblich nicht in seiner Absicht lag, doch sei sie seinem horasischen Charme erlegen. Der kleine Kerl überrascht mich doch immer wieder. Kaldrim konnte jedoch auch noch ein weiteres Paar inflagranti erwischen. Bruder Tobur und die Schreinerin Andra hatten ebenfalls ein kleines Stelldichein in der Schmiede, woraufhin Kaldrim und Ragnar den Scriptor erpressen konnten, das gesuchte Buch der Mythen und Sagen des Finsterkamms zu besorgen, dessen Nummer uns in die Hände fiel. Ebenso kam ein weiterer Handwerker, diesmal der Zwerg Kagrim, ums Leben. Er wurde des Nachts wohl mit einer Garrotte getötet.

Als ich mich gerade auf meiner Pritsche ausruhe, bekommen wir das erwartete Buch gebracht und Ragnar macht sich dran es zu studieren. Kurze Zeit später wird er jedoch von Kaldrim unterbrochen, dass er dringend im Hospital verlangt wird. Ardo liest weiter in dem Buch, während ich mir endlich eine Ruhepause gönne. Während ich so vor mich hin döse, kommt mir plötzlich ein Gedanke.

Wenn Arras de Mott mit Hilfe von Praios dieses Kloster genau hier errichtete, dann vielleicht gerade zum Schutz vor Widernatürlichem was unter diesem Kloster schlummert. Er gab das Szepter an seinen Nachfolger mit einem Satz weiter, der darauf schließen lässt, dass dieses Szepter vielleicht genau gegen dieses Unheil helfen kann. Vielleicht ist genau das der Grund weshalb Nicola hier walten und schalten kann wie er will, weil das Szepter eben NICHT hier war. Jetzt wo wir es wieder zurückgebracht haben, könnte Nicola vielleicht sogar unvorsichtig oder nervös werden. Wir sollten ihn im Auge behalten. Hoffentlich war es kein Fehler das Ding zurückzubringen. Aber ich bin sicher, dass Nicola nicht darauf angewiesen war, sondern eben genau deshalb hier das Böse ausgebrütet wird, weil es eben die ganze Zeit über fehlte.
Wann erstrahlt das Madamal im Frevel zu Praios ? Vielleicht ist es auch keine Mondfinsternis, sondern eine Sonnenfinsternis? Vielleicht kann das Szepter das Unheil verhindern !?
Je länger ich in meinen Gedanken versinke, desto tiefer falle ich in den Schlaf.

Plötzlich tritt jemand an meine Pritsche und als ich die Augen öffne, schaut mich Kaldrim sorgenvoll an und trommelt alle im Quartier zusammen um zu reden. Er berichtet uns, die Gewächse im Kräutergarten seien unnatürlich schnell gewachsen und Ragnar erzählt von zwei Krankheitsfällen des Blutigen Rotzes im Hospital, die er nun unter Quarantäne gestellt hat. Es wird immer schlimmer. Wir tauschen uns noch weiter aus, was jeder bisher herausgefunden hat und wir sind uns einig Nicola de Mott mal auf den Zahn zu fühlen und begeben uns in die Bibliothek. Ich bitte Hüter Bormund uns Nicola heraus zu holen, während Kaldrim frecherweise einfach auf die Bibliothekstür zu geht und sie öffnen will, was den Hüter sehr wütend macht. Als wir Bormund wieder beruhigt haben und er sich endlich ins Innere begibt, geben wir währenddessen das geliehene Buch Bruder Tobur zurück, der es schnell heimlich verstaut. Ardo befragt Tobur noch nach heiligen Taten des Abtes, doch er kann keine ersichtlichen nennen und wir lassen ihn nachdenklich zurück. Wir erwarten den Tempelvorsteher im Kaminzimmer und Ardo beginnt das Gespräch, indem er sich erst einmal vorstellt. Als wir ihm dann von dem Wachstum seiner Pflanzen und den Krankheitsausbrüchen berichten, ist Hüter Bormund sehr erbost, dass er wegen solcher Lappalien den Abt gestört hat und auch Nicola selbst ist nicht gerade begeistert und verlässt uns recht bald wieder, nachdem er Bormund ein paar Aufgaben erteilt hat. Ehe der Hüter geht, befragt ihn Ardo ebenfalls nach heiligen Taten des Abtes, doch auch er hat keine sichtlichen Beweise, außer die Weihe des Altars, bei der niemand zugegen war. Er ist jedoch sehr erzürnt über solch anmaßenden Verdächtigungen, die Ardo in keinster Weise offen stellt.

Ardo möchte sich den angeblich frisch geweihten Altar genauer anschauen und wir begeben uns zur kleinen Kapelle. Auf dem Weg dorthin erzählt uns Ragnar von einem Gestaltenwandler, der ihn früher einmal heimgesucht hat und es bestehen immer mehr Zweifel an dem was Nicola vorgibt zu sein.
Kaldrim hat indessen auch Arthak geholt um auch ihm den Altar zu zeigen, doch er zeigte keine besonderen Gefühle und auch Ardo kann nichts entdecken. Als Kaldrim Arthak auffordert den Altar zu besteigen, bekommt er eine scharfe Rüge von Ardo und Arthak wird erstmal wieder zurückgeschickt. Plötzlich läuten die Glocken zur Mittagsandacht, die Kapelle füllt sich und wieder hält nur Hüter Bormund die Predigt, während Nicola schweigt.

Als wir gerade alle schweigend unser Mittagsmahl zu uns nehmen, zieht sich Ragnar plötzlich die Augenklappe vom Gesicht und gebannt warten wir ab was geschieht. Innerhalb kürzester Zeit schwillt das Gemurmel und Geraune im Saal gehörig an und alle hören auf zu essen und starren Ragnar nur entsetzt und teilweise angstvoll an. Hüter Bormund scheint fast der Kragen zu platzen, doch ehe er reagiert, erhebt sich Nicola de Mott und schickt alle nach draußen, außer uns, Hüter Bormund, Meister Yandrim und seine zwei wehrhaften Zwergengesellen. Ragnar will ebenfalls gehen, wird jedoch von Kaldrim zurückgehalten. Wir folgen Nicola ins Kaminzimmer, darauf achtend, dass es nicht ganz eskaliert und die Zwerge ihre Hände von Ragnar lassen. Es entbrennt eine scharfe Diskussion über das Auge, über Dragenfeld und die hiesigen Vorkommnisse, für die Hüter Bormund selbstverständlich Ragnar die Schuld gibt. Als Bormund jedoch verkündet, dass in zwei Tagen die Bannstrahler ankommen, die er selbst gerufen hat, nimmt das ganze eine unerwartete Wendung. Nicola de Mott ist außer sich vor Wut, wie Bormund über seinen Kopf und seine Befugnisse hinweg, so etwas tun konnte. Sein Blick verrät eine Mischung aus Wut, Zorn und Panik und nachdem er hört was in Dragenfeld geschah, werden wir in unseren Aufgaben ein wenig beschränkt, dürfen und müssen jedoch bleiben. Ragnar würde man am liebsten unter Arrest stellen, doch dürfen wir uns weiterhin frei bewegen, jedoch das Kloster nicht verlassen. Ebenso brauchen wir keine Nachtwachen mehr zu halten und Ragnar wird gebeten seine Augenklappe wieder aufzusetzen. Als wir gehen, hören wir noch das Gezeter zwischen Nicola und Bormund, in dem der Abt seinen Hüter ordentlich rund macht. Die Neuigkeit, dass Ucurian allerdings in zwei Tagen hier auftaucht, schmeckt mir nicht wirklich.

Kaldrim zieht sich plötzlich bekümmert zurück, während wir anderen zurück in unser Quartier gehen. Ardo zieht seine komplette Montur an, sattelt seine Stute und reitet provokativ und präsent auf dem Klostergelände umher. Ragnar und ich legen uns auf unsere Pritschen und gehen schweigend unseren Gedanken nach. Die Abendandacht und das Abendmahl lässt Ragnar ausfallen und ich gehe alleine zur Kapelle, als die Glocken läuten. Ardo zeigt weiterhin Präsenz und bei der Abendandacht steht er wachhabend an der Tür. Erst nach dem Abendmahl treffen wir uns alle wieder im Quartier. Wir sind uns einig, dass wir trotzdem Nachtwachen halten werden und da ich die letzte machen soll, schlafe ich alsbald ein.

Ein Gespräch unter vier Augen

8./9. Rondra 1017 BF

Ardo und ich beschließen, nach Osten zu reiten, da sowohl die Orks, als auch die Krähen von dort kamen. Es nieselt wieder einmal. Es ist seltsam so schweigend in den Finsterkamm zu reiten, nur mit ihm. Jetzt wo ich die Gelegenheit hätte mit ihm alleine zu reden, schweige ich, ich will ihn nicht mit meinen Gedanken belasten. Aber es beruhigt mich ihn in meiner Nähe zu wissen. Wir müssen uns auf das Kloster konzentrieren und angestrengt versuchen wir soweit wie möglich den Spuren zu folgen. Der Regen wird immer stärker und als wir sie verlieren, reiten wir einfach weiter nach Osten, auch wenn es immer dunkler wird. Ardo entzündet eine Laterne und reitet voraus, als wir kurz einen kleinen Lichtschein wahrnehmen und unsere Laterne löschen. Doch es war nur eine kurze Erscheinung. Wir steigen ab und lauschen, doch nichts ist zu hören, außer ein einziges Mal ein leicht metallischer Klang, den ich nicht deuten kann. Es ist stockfinster. Ardo zieht sein Schwert, ruft fordernd in die Nacht hinein und zündet seine Laterne wieder an. Wir gehen zu Fuß weiter und finden einen Höhleneingang. Als ich Ardo darauf aufmerksam mache, dass wir nur zu zweit sind, meint er nur, dass wir zu dritt sind, da die Herrin Rondra mit uns ist. Ich verdrehe die Augen, sein Gottvertrauen hat er nicht verloren und doch fühle ich mich ein klein wenig mutiger. Zuversichtlich betreten wir die Höhle, als ein kleiner alter Greis aus dem Dunkel mit einem Holzknüppel schreiend auf Ardo zustürmt. Er kann den Schlag einfach abfangen, so kraftlos ist der Alte und mit einem kleinen Gegenhieb, bricht der Greis erstmal seinerseits ohnmächtig zusammen. Wir ziehen ihn an das kleine Lagerfeuer in der Höhle und schauen uns um. Die Höhle ist voller Bücher verbotener Schriften und ein seltsames Szepter, teilweise aus Mondsilber, liegt ebenfalls dabei. Der alte Greis trägt eine alte verschlissene Mönchskutte und ist völlig ausgemergelt. Bei den Zwölfen, wie lange lebt er schon hier oben?

Als der Alte aufwacht, erfahren wir, dass Hüter Rochus beim Orkensturm diese Bücher und das Szepter von Arras de Mott in Sicherheit brachte und fliehen konnte. Er kann kaum glauben, dass die Orks vertrieben sind. Bei Rondra, der Alte lebt schon seit rund fünf Götterläufen hier.
Ich hole noch Proviant von den Pferden und der Alte genießt seit langem mal wieder den Geschmack von Brot. Als er sich satt gegessen hat, schläft er seelenruhig ein. Wir schauen uns die Bücher genauer an und wir finden ein paar interessante Schriften. Hüter Rochus selbst verfasste vor zehn Götterläufen ein Traktat zur Lehre und dem Wirken des Arras de Mott, das die Bedeutung des Namens auseinandernahm. Woher der Name Arras kommt und dass er soviel wieWächter oder Hüter bedeuten kann, doch genauso so kann er wohl auch Geheimnis bedeuten. De Mott ist noch verwirrender, da der Name sowohl für Sterblichkeit, Tod oder Verstorbener steht, wie auch in anderen Gegenden fürErdscholle, weit im Süden steht das Wort ebenfalls für Wahrer oder Geheimnis. Arras de Mott könnte also sowohl Hüter der Erde, wie auch Hüter des Geheimnisses heißen. Ardo fand eine Schrift zum Szepter, dessen Inschriften und Symbole etwas mit den Elementen zu tun haben. Kurz vor dem seinem Tod habe Arras das Szepter mit ein paar Worten an seinen Nachfolger überreicht, irgendwas mit dem Szepter und dem gerechten Weg, wenn das Madamal wieder im Frevel erscheint oder so ähnlich.

Während Ardo liest, betrachte ich ihn im Flackern des Lagerfeuers, doch schweige ich weiter und mache mir Gedanken über das Kloster und diese Schriften. Als ich Ardo nach seiner Meinung befrage, erzählt er mir, dass Nicolas' Seele völlig leer sei. Ob Nicolas de Mott kein menschliches Wesen ist? Was geschieht mit dem Kloster und wie können wir verhindern, dass Borbarad erneut mit uns spielt?

Nach einer Weile beginnt Ardo ein Gespräch und ich beichte ihm endlich meinen Glaubenskummer. Ich erzähle ihm von meiner Vergangenheit. Endlich habe ich die Gelegenheit auch ihm alles zu erzählen. Ich schaue Ardo kaum in die Augen, aus Angst dass meine Augen zuviel meiner Gefühle verraten. Wir reden noch eine Weile und geraten in Streit, weil er mich rügt für meine weinerliche Opferrolle, aus der ich mich endlich rausziehen soll. Er hat ja keine Ahnung. Ich ziehe mich beleidigt und traurig zurück, wickel meinen Umhang fester um mich und starre in die Dunkelheit des Finsterkamms, während ich meinen Kummer nicht verbergen kann. Erst Ragnar, nun auch Ardo. Kaldrim scheint der einzige zu sein, der Verständnis dafür hat. Nach einer Weile beruhige ich mich wieder und Ardo macht mir klar, dass meine Taten eine Bedeutung haben, dass ich nicht so machtlos bin, wie ich es immer denke, sondern unter Rondras Schutz stehe und sie mir den Weg weist. Wir kommen auch auf Walmir zu sprechen und er erzählt mir, dass Walmir ihn versklavt und auf uns gehetzt hätte, wären die Orkgeister nicht gewesen. Als ich mich wundere warum, erzählt mir Ardo, dass Walmir das Ergebnis seiner Rachsucht und Wut ist, er verlor sich in den Gedanken aus Rache und verlor seine Seele darin. Jeder der sich Walmir in den Weg stellt, ist Teil seiner Rache an der Welt und den Göttern. Ardo erinnert mich an meine eigenen Rachegedanken, doch ist es ein großer Unterschied ob man sich an der ganzen Welt rächen will oder wie ich nur an einer Person. Ich kann Ishar nicht verzeihen für ihren Mord an meiner Mutter. Ebenso denke ich, wenn Rondra mich leitet, so wird sie auch das Gemetzel auf Maraskan gewollt haben. Ardo sieht das anders und fährt mich an, dass sie mir nur den Weg zeigt, und ich mir nicht anmassen soll, meine Taten mit dem Willen Rondras zu rechtfertigen, noch dazu wo ich zu der Zeit schon an ihr zweifelte. Ärger steigt in mir auf, während ich schweigend ins Feuer starre. Seine Aussage hat mich als Lügner oder Verräter abgestempelt. Ich habe zuviel Respekt vor ihm, als dass ich mich weiter mit ihm anlegen will. Doch merke ich im Laufe des ganzen Gesprächs, wie meine Gefühle für ihn langsam schwinden. Was er mir bisher an den Kopf warf, hat mich verletzt. Doch kein Wort des Trostes kam über seine Lippen, sondern nur eiskalte Forderungen. Ich hatte auf ein wenig Mitgefühl gehofft, stattdessen kam nur Rüge und Tadel. Mir fällt es schwer genug den Unterschied zu finden, was nun richtig oder falsch ist. Wie kann man erkennen, was die Götter erwarten? Wann man in ihrem Sinne handelt oder nicht? Wenn sie uns den Weg zeigen, so stehen wir unter ihrem Schutz und meiner Meinung nach lenken sie somit auch unsere Taten. Mir wird das langsam zu hoch. Ich kann nur das tun, was ich für richtig erachte, ob das richtig oder falsch ist, werden wir sehen. Ich wechsel das Thema und frage Ardo, was er weiterhin gedenkt zu tun, wenn wir zurück im Kloster sind. Er will Nicola auf den Zahn fühlen, ansonsten bewahrt er Geduld und wir werden sehen, was weiterhin passiert. Wir unterhalten uns noch ein wenig über unsere Träume und Visionen und wie Ardo zur Geweihtenschaft kam, aber man muss ihm alles aus der Nase ziehen und als er wieder mal eingebildet sich des Rechts bewußt ist, platze ich förmlich und lasse Schimpftiraden über ihn ergehen, bevor ich mich nach draußen flüchte. Bei Rondra, er ist immernoch ein Geweihter, wie kann mich mir anmassen so mit ihm zu sprechen. Als ich zurückkehre, entschuldige ich mich bei ihm und nehme mir vor lieber still zu sein, bevor ich mich weiter um Kopf und Kragen rede. Doch er fragt mich tatsächlich für was ich Trost brauche und in mir zieht sich alles verbittert zusammen. Ich brauche seinen Trost nicht! Nicht mehr! Allein dass er fragen muss, enttäuscht mich zutiefst. Doch er macht mir auch klar, dass ich mir selbst im Wege stehe und meine Kraft und Liebe nur in meinen Zweifeln vergeude, anstatt mir Ziele zu setzen. Wieder einmal hat er Recht und ich hasse ihn fast dafür.

Entdeckungen

8. Rondra 1017 BF

Kaum, dass ich eingeschlafen bin, weckt uns Kaldrim erneut. Er hat auf seinem Rundgang zwei Gestalten entdeckt, die innerhalb der Klostermauern, in der Nähe der Schmiede ein Feuer entzünden wollten. Er hat sie verjagt, doch sie sind durch die kaputte Mauer hinter den Handwerkshütten verschwunden. Auch sein Wurfdolch hat sie verfehlt. Im Endeffekt hat er uns wegen Nichts geweckt, da sie schon längst über alle Berge sind und wir im Dunkeln auch nicht groß nach Spuren suchen können. Verärgert und wieder hellwach, halte ich weiter Wache, nachdem ich zornig Kaldrim zusammengestaucht habe und ziehe auf dem Klostergelände meine Kreise bis die Sonne aufgeht. Als die Glocken zur Morgenandacht läuten, wecke ich die anderen beiden und falle völlig übermüdet in den Tiefschlaf.

Plötzlich erwache ich von einem ohrenbetäubendem Hornklang, schrecke auf, ziehe mir schnell meine Rüstung an und stürme nach draußen. Ich glaube meinen Augen nicht zu trauen. Ardo steht im Klosterhof, steigt ab und umarmt gerade Ragnar. Ich höre noch wie er nach mir fragt, als ich langsam auf ihn zugehe und nur antworte, dass seine Göttin ihn wahrlich lieben muss. Alles andere verkneife ich mir, doch ich bin so froh ihn lebend wiederzusehen. Mein Herz rast, aber ich kann mich zusammenreißen ihm nicht einfach um den Hals zu fallen.
Von Hüter Bormund wird Ardo ein wenig anders empfangen als wir. Der Hüter hat sichtlich Respekt und man könnte fast meinen er hätte sogar ein wenig Angst vor ihm, doch da gerade Essenszeit ist, fordert Nicola de Mott wieder das Schweigen und begibt sich zurück in den Speisesaal, während wir uns in unser Quartier zurückziehen.

Gespannt warten wir auf Ardos Erzählung, was auf der Acheburg geschehen ist, doch er erzählt uns nur, dass er mit Hilfe von Orkgeistern Walmir vertrieben hat. Ein wenig dürftig, doch vielleicht erzählt er uns eines Tages mehr darüber. Ihm sind die Vorfälle hier derzeit wichtiger und wir erzählen ihm was bisher vorgefallen ist. Ragnar und Kaldrim berichten ebenfalls noch vom Tod des Hüters Wismund, den ich heute Morgen wohl verschlafen habe. Er lag mit aufgeschlitzten Pulsadern in einer Wanne im Badehaus, doch Ragnar fand zusätzlich eine Platzwunde am Hinterkopf und weist auf möglichen Mord hin. Kaldrim sprach auch mit Nicola über die nächtlichen Besucher und die Spuren, die sich beide ansahen, wiesen auf Orks hin. Leider weigert sich Nicola den Kuppelbau zu unterbrechen um sich der Mauern anzunehmen. Auf die Frage hin, warum der Kuppelbau verändert wurde, meint der Tempelvorsteher nur, dass Yandrim die Pläne erst später brachte, sie aber überzeugend schön waren, von Gareth abgesegnet wurden und somit der Kuppelbau geändert wurde.

Während Ragnar nochmals zum Leichnam von Wismund ins Hospital geht, zeigen wir Ardo die Kuppel, doch kennt er solche Bauten durchaus als nichts Auffälliges. Was auch immer unter der Krypta verborgen liegen mag, hat wohl nur indirekt etwas mit der Kuppel zu tun. Ich denke immernoch, dass die Prophezeiung "Wenn das Rund des Frevlers in der Runde der Frommen ruht..." das Madamal ist, das in irgendeiner besonderen Art und Weise durch diese Kuppel scheint. Athak faselte was vom "gefräßigen roten Mondauge" wobei ich wieder an die Orks denke. Was haben Orks hier oben ständig mit Praios zu tun? Sie haben erst in Weiden einen Tempel geschändet, nun geschieht hier irgendetwas mit dem Kloster, wobei diese Wilden auch irgendwie ihre Finger mit im Spiel haben. Warum treiben sie sich sonst des nachts auf dem Tempelgelände herum. Ich hätte nicht so barsch sein sollen mit Kaldrim. Sicherlich hätte ich an seiner statt auch die anderen geweckt, doch verdammt, mir wären sie auch sicherlich nicht einfach so entwischt. Irgendwas hatten sie im Sinn und wir sollten wirklich die Augen offen halten was die Mauerdurchbrüche angeht. Wenn hier auch noch von außerhalb üble Machenschaften laufen, dann haben wir echt alle Hände voll zu tun. Diese ganzen Prophezeiungen, diese seltsamen Geschehnisse und Morde. Ich bin überzeugt davon, dass auch der Dachdecker nicht grundlos in die Tiefe stürzte. Und warum will keiner den Kuppelbau unterbrechen ? Fragen über Fragen, doch ich verstehe noch so Vieles nicht. Am wenigsten wie Ardo es geschafft hat, gesund zurückzukehren und mitten im Finsterkamm zu uns stößt, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Doch bei Rondra, ich bin froh darüber, dass sie ihn zu uns zurückgebracht hat.

Wir begleiten die Mönche auf den Boronsanger um Bruder Wismund zu beerdigen. Hüter Bormund spricht den Grabsegen und danach verteilen sich die Anwesenden wieder an ihre Arbeiten. Während die anderen noch im Kloster bleiben, mache ich mich auf den Weg nach Osten und folge den Orkspuren der letzten Nacht. Ich kann ihnen einige Zeit lang folgen, doch verlieren sie sich irgendwann in dem felsigen Gebirge. Als ich gerade umkehren will, fällt mir eine dunkle Wolke auf, die schnell näher kommt und ehe ich mich versehe, entpuppt sich diese Wolke als ein riesiger Schwarm Sturmkrähen, die Unheil krächzend über meinen Kopf hinweg, zielstrebig Richtung Kloster fliegen. Ich eile zurück, doch als ich ankomme, sind die Krähen schon wieder verschwunden und das Kloster in hellem Aufruhr. Ich erfahre, dass die Vögel in die Kuppel eingedrungen sind und angegriffen haben, ehe sie sich einfach plötzlich wieder verzogen. Es gibt drei Schwerverletzte, die im Hospital verarztet werden.

Nach der Mittagsandacht und dem Mittagsmahl ziehen wir uns in unser Quartier zurück und bereden wie wir weiter vorgehen wollen. Wir sind uns zumindest einig, dass dieses Kloster auf einem unheiligen Ort steht.
Ich verlasse meine Gefährten kurz um Larissa über Magister Emmerich zu befragen, dessen herrenloses Pferd wir gestern fanden, doch sie kann mir nichts Auffälliges erzählen. Als ich gerade zurückkehren will, klopft es am Haupttor und ich gewähre einem alten Wanderer, Ortbrand von Havena, Eintritt in das Kloster. Wir durchsuchen aus reinen Vorsichtsmaßnahmen seinen Rucksack, doch finden wir nichts auffälliges. Er ist ein einfacher Wanderer auf dem Weg nach Lowangen, der sich ein wenig auf Heilkunde versteht. Doch meine Gefährten lehnen jegliche Hilfe von ihm ab und nach einer kleinen Spende und einem Mittagsmahl, verlässt er uns wieder.

Nachforschungen

7. Rondra 1017 BF

Als ich nach meiner Nachtwache Ragnar wecke, ist er ein wenig verwirrt, da er einen Traum hatte, in dem er sehr mächtig war und ein Gebäude zwischen zwei Fingern zerdrückte mitsamt den winzigen Menschen darin bis das Blut heraus floss. Doch er steht auf und hält seine Hundswache, während ich mich wieder hinlege.

Nach dem Frühstück kommt Hüter Emmeran eilig auf uns zu und führt uns zu den Kleintierställen. Aufgelöst steht Larissa, die Novizin, da und weint herzerweichend. Kaldrim nimmt sich ihrer sofort an und sie weint sich an seiner Schulter aus, was wirklich komisch aussieht. Sämtliche Hühner liegen tot im Stall und sie habe sie vor kurzem erst gefüttert. Als sie wiederkam, lagen sie alle tot am Boden. Wir finden keinerlei Blutspuren. Kaldrim übergibt Larissa an Ragnar und bittet mich ihm zu folgen. Wir schneiden eines der Hühner auf, um zu sehen ob es von innen heraus irgendwie verdorrt aussieht, als wenn ihm das Leben ausgesaugt wurde, doch es sieht ganz normal aus. Eine genaue Untersuchung des Futters zeigt uns kleine schwarze Körner darunter und Emmeran erklärt uns, dass das Rattengift, welches sie benutzen, ebenso aussieht. Ich begebe mich mit einem anderen Huhn ins Hospital zu Bruder Ucurius, dem Medicus, um mehr herauszufinden, doch der alte Mann kann mir nicht die üblichen Vergiftungssymptome an einem Huhn nachweisen. Doch stellt sich heraus, dass er dieses Rattengift aufbewahrt und einiges davon zu fehlen scheint. Doch jedermann hat zu den Arzneien und Giften Zugang und viele gehen ein und aus, somit lässt sich kein Verdächtiger eingrenzen. Ich bringe das Huhn zurück. Wir bemerken, dass der ganze Futtersack vergiftet ist und wir lassen Hühner, sowie das Futter entsorgen. Um mehr über das Gift herauszufinden, begebe ich mich noch zum Botaniker Ricchiardon. Der alte Mann kann mir nicht viel weiterhelfen, da das Rattengift in Greifenfurt gekauft wurde. Als ich ihn wegen der Thonnysblüten befrage, kann er mir zumindest sagen, dass es für guten Schlaf und gegen Schmerzen hilft, doch werden seine Pflanzen nur vom Medicus zu Medizin verarbeitet. Er selbst habe damit nichts zu tun, er pflanzt nur und daraufhin gibt er mir noch eine ganze Lehrstunde in seinem Kräutergarten.
Danach suche ich nochmals Bruder Ucurius auf und befrage ihn, ob denn in der letzten Zeit ein Schlaf- oder Schmerzenstrunk benötigt wurde, doch nichts dergleichen ist ihm bekannt. Da das Kloster unterbesetzt ist, hat er auch keinen Nachfolger oder Novizen. Er kennt niemanden der ebenfalls medizinischen Kenntnisse besitzt, um mit Thonnys etwas anzufangen. Als ich zu den anderen zurückkehre, beratschlagen wir noch die Zustände der Arnzeimittel und alles was leicht lebensbedrohlich ist, wird unterhalb des Hospitals in eine Kerkerzelle gesperrt. Bruder Ucurius bekommt den Schlüssel.

Danach lassen wir uns von Hüter Emmaran in die Krypta führen. Eine schmale Wendeltreppe führt hinab und er zeigt uns allerlei neue Schreine und Reliquien. Teilweise wurden sie erneuert, teilweise blieben sie von den Orks unversehrt. Die Wände sind voller Fratzen und Fresken. Hinter einer verschlossenen Gittertür führt eine weitere Treppe hinab zum Grab des heiligen Arras de Mott, dem Ordensgründer. Doch wir dürfen die Grabkammer nicht betreten. Ragnar bleibt ein wenig hinter uns und als wir zurück in unser Quartier gehen, berichtet er uns von einem rötlichen Schimmer unter dem Tempel, den sein Rubinauge erkannt hat. Ebenso berichtet er uns von Prophezeiungen, die er schon seit dem Aufenthalt in Khunchom bei sich trägt. Wir versuchen uns einen Reim darauf zu machen, doch ist alles noch zu verworren.

Irgendwie scheint diese besondere Kuppel eine Rolle zu spielen und zur Mittagsandacht statten wir dem Tempel nochmal einen Besuch ab. Ragnar nimmt unter der Kuppel nochmals seine Augenklappe ab und erkennt deutlich eine Verbindung zwischen der Kuppel und der Bodenmitte, worunter die Grabkammer des Ordensgründers liegt. Das rote Leuchten scheint gegen die Kuppel streben zu wollen. Nur schwach, aber sichtbar.

Nach dem Mittagessen beschließen Ragnar und ich uns die schwarze Hügelkuppe nicht weit von hier anzusehen, während Kaldrim sich bei den Zwergen nach dem Kuppelbau erkundigen will. Ragnar und ich reiten zum schwarzen Hügel, doch erwartet uns dort nur ein riesiges Massengrab mit Orks. Sie wurden alle verbrannt. Auf dem Rückweg entdecken wir ein herrenloses Pferd, das abgemagert und scheu nördlich des Klosters umherstreift. Ragnar kann sich ihm nähern und es beruhigen und wir nehmen es mit zum Kloster. Larissa kümmert sich gleich rührend um das Tier und erkennt es als das Pferd des Magisters Emmerich von Falkenstein, ein Heilmagier aus Lowangen. Die Satteltaschen nehmen wir mit in unsere Unterkunft und als wir sie durchsuchen finden wir eine Schatulle mit einem kleinen Onyxsplitter darin, gerade so groß wie ein Fingernagel. Ragnar verwahrt ihn vorerst bei sich. Kaldrim hat, in unserer Abwesenheit, Arthak unter die Kuppel geführt und kaum, dass unser wirrer Freund darunter stand, habe er sich auf den Boden geworfen und panisch um sich geschlagen. Er redete von einem "gefräßigen roten Mondauge", von einem "Wirbel des Regenbogens" und "dem Wagen der Schwärze am Himmel des Wahns" ehe Kaldrim ihn von dort fortschaffen konnte. Baumeister Yandrim sei außer sich vor Wut gewesen.
Vom Steinmetz hat er allerdings erfahren, dass die Kuppel ursprünglich anders geplant gewesen sei und die Arbeiten hatten auch schon begonnen, ehe der neue Plan von Yandrim zur Sprache kam und alles umgeworfen wurde.
Wir müssen unbedingt mit Nicola sprechen, warum der Kuppelbau plötzlich geändert wurde.

Ein Analyszauber, den Ragnar auf den Onyxsplitter spricht, bringt sein Auge sogar zum aufblitzen, doch kann er das Erfahrene nicht so recht deuten.
Aufgrund des erwähnten Mondauges suchen wir den Hüter Wismund auf, den Sterndeuter des Klosters. Er befindet sich in der Bibliothek und Bruder Tobus ruft ihn für uns. Wir ziehen uns mit ihm in den Klostergarten zurück und befragen ihn nach etwaigen Sternenkonstellationen in der nächsten Zeit. Er ist sichtlich nervös und er sei gerade dabei nachzuforschen, da er selbst höchst beunruhigt ist. Er faselt was von irgendwelchen Sternbildern, die mir absolut nichts sagen, doch Ragnar meint, Galotta habe zu solch einer Konstellation den Ogerzug heraufbeschworen und es klingt irgendwie besorgniserregend.

Wir ziehen uns wieder zurück in unser neues trautes Heim, doch Kaldrim geht nochmals kurz zum Tempel. Er kommt sichtlich verwirrt zurück. Als wir ihn endlich dazu bringen zu reden, erzählt er uns von seinem Hautbild, mit dem er kommunizieren kann. Es sei so etwas wie ein Seelentier und es habe ihm gerade das Seelentier von Yandrim gezeigt und nun wisse er nicht, wie er es deuten solle. Ein schwarzer Maulwurf mit offenen Augen. Ich habe dabei nur drei Dinge im Sinn : schwarz wie das Böse, Maulwurf wie was untergraben, was fieses anstellen und mit offenen Augen, dass er es wissentlich tut. Doch das ist natürlich reine Interpretationssache. Wir erfahren ein wenig mehr über diese seltsame Hautbild und plötzlich stellt Ragnar Kaldrim die seltsame Frage, was er denn tun würde, wenn das Zeichen gegen die Gruppe arbeiten würde. Würde er ihm gehorchen ? Es entbrennt eine lange Diskussion über diese Frage, da das Zeichen so etwas nie tun würde und noch dazu friedfertig ist. Doch irgendwann hören wir den Glockenschlag zur Abendandacht und lassen es auf sich beruhen.

Zur Ingerimmstunde begeben wir uns zum Rundgang unserer Nachtwache und schleichen uns in das Tempelgebäude.
Während Kaldrim und Ragnar die Krypta betreten, um mehr über das heilige Grab herauszufinden, warte ich im Tempelraum. Mich des Nachts einfach in eine heilige Grabstätte zu schleichen, ist mir in einem Praioskloster irgendwie unheimlich. So sehr wie ich im Glauben wanke, so möchte ich es mir ungern mit dem Götterfürsten ganz verscherzen. Zuviele Dinge habe ich schon frevlerisch begangen, dass mir dabei unwohl zumute ist. Nach nicht allzulanger Zeit kehren die beiden wieder zurück und erzählen mir, dass der Ursprung des roten Lichts bereits unterhalb des Sarkophargs des Heiligen beginnt, doch sie konnten ihn nicht öffnen und ich bin innerlich fast dankbar darum. In Phexens Augen oder sagen wir eher in Kaldrims, mag es rechtens sein, doch sicherlich nicht in den Augen des Praios. Der ganze Einbruch ist schon schlimm genug.

Da wir nicht weiter kommen, halte ich noch weiter die erste Wache und setze mich in den Gang zwischen die Schlafstätten der Hüter und der Mönche, da mir die Prophezeiung nicht aus dem Sinn geht "Wenn Mönch und Meuchler den Platz für die Nacht teilen..." Ich fürchte um die Brüder und bewache sie bis zur Efferdstunde, bevor ich Kaldrim wecke und mich selbst zur Ruhe begebe.

Das Kloster Arras de Mott

6. Rondra 1017 BF

Endlich erreichen wir das Kloster. Wir befinden uns in einem Talkessel von sicherlich zwei Meilen Durchmesser. Und ich hatte recht. Von schöner Aussicht kann man hier nicht reden. Siegessicher grinse ich Kaldrim zu, doch er scheint es nicht zu bemerken. Das ganze Tal hinterlässt einen tristen Eindruck. Wir erkennen von weitem verkokelte Dorfreste, ein Zeltlager und eine riesige Baustelle voller Gerüsten und Handwerkern. Ein wenig abseits ist eine düstere Hügelkuppe zu sehen. Auch sonst nur spärlicher Bewuchs, nur rundherum große Felsen. Alles in allem ein eher abweisender Eindruck.

Als wir am Kloster ankommen, erwartet uns erst einmal ein ziemlich heruntergekommenes Anwesen. Die Wehrmauer ist teilweise eingestürzt, Gebäude liegen in Schutt und Asche und es herrscht reges Treiben der Bauleute. Ein Pferdestall existiert nicht mehr und so binden wir die Pferde neben einem Kleintierstall an und Novizin Larissa kümmert sich sofort um die Tiere. Arthak schicken wir mit der Schreinerin Andra mit, da er sich gut aufs Schnitzen versteht. Hüter Emmeran führt uns erst einmal zu unserem neuen Heim, eine alte Braustube, in der die Decke mit Balken abgestützt wird, aber das Gebäude steht uns wenigstens allein zur Verfügung. Schnell lässt er ein paar Rattenfallen verschwinden und führt uns weiter herum. Wenigstens bekommen wir ein paar Feldbetten, die wir selbst in unser Quartier bringen. Danach zeigt uns Hüter Emmeran noch das weitere Anwesen und wir bekommen einen Eindruck von der Verwüstung der Orks. Jegliche Bäume wurden gefällt und der Kloster- wie auch der Kräutergarten sind voller neuer Pflanzen und Findlingen. Im Haupttrakt gibt es eine kleine Kapelle, die derzeit den Andachten dient, bis das neue Tempelgebäude fertig gestellt ist. Im Haupttempel selbst, laufen die Arbeiten derweil auf Hochtouren. Eine beachtliche Kuppeldecke ist gerade im Aufbau aus Mondstein und Mondsilber, durch die später das Sonnenlicht ein wunderschönes Lichtermeer entstehen lassen soll. Die Bildnisse auf der Kuppel zeigen die elf göttlichen Geschwister schön in Szene gesetzt. Die Mitte ist noch nicht ganz fertig, doch lässt es schon jetzt das Sonnenbildnis des Götterfürsten erahnen. Der Zwerg Yandrim ist hier der Baumeister und ist scheinbar sehr gestresst, denn eine freundliche Begrüßung Kaldrims erwidert er recht patzig und unwirsch. Die Krypta unter dem Tempelgebäude ist verschlossen und wir bekommen vorerst auch keinen Zutritt, allerdings wird Pilgern der Zugang gewährt, was uns ein wenig verärgert.

Nach dem Tempel führt uns Emmeran zum beeindruckenden Bergfried. Hinter sehr dicken Mauern betreten wir erst die Küche und das Kaminzimmer, ehe er uns nach oben ins Scriptorium führt. Scriptenmeister Bormund schaut kurz auf, verzieht unliebsam das Gesicht und beachtet uns nicht weiter, während Emmeran uns erklärt, dass sich über uns die verbotene Bibliothek befindet, in die, außer wenigen Hütern, keiner Zutritt hat. Auf dem Weg zurück zu unserem Quartier werden wir von Bruder Tobur, dem Scriptor aufgehalten, der uns den hiesigen Tagesplan aushändigt und uns der Klosterregeln belehrt. Er gibt uns im Auftrag von Hüter Bormund ein Schriftstück in dem alle Regeln des Klosters und des Herren Praios stehen. Es ist schon fast ein ganzes Buch, einschließlich der Bestrafungen, die jegliche Verletzung der Regeln nach sich ziehen.
Auf Fragen die die Umstände betreffen, weshalb wir hier sind, bekommen wir zur Antwort, dass wir nach dem Abendmahl eine Unterredung mit Nicola de Mott haben werden.

Ich gehe mich waschen, klopfe ein wenig den Dreck aus meiner Kleidung und bin pünktlich zur Abendandacht in der Kapelle. Eine junge Novizin sitzt neben mir und beschreibt mir viele der Anwesenden. Danach gehen wir gemeinsam zum Abendmahl und es wird Brot und Ziegenkäse aufgetischt. Ich greife beherzt zu, doch höre ich sofort ein giftiges Zischen und lasse vor Schreck das Brot auf meinen Teller fallen. Erst lauschen alle dem Tischgebet, bis danach der Klostervorsteher Nicola de Mott zugreift, ehe es die anderen ihm gleich tun. Keiner spricht ein Wort und so essen wir schweigsam, bis auf die Blicke die wir drei uns zuwerfen.

Nach dem Essen folgen wir Nicola, doch wir werden von Hüter Bormund abgefangen und er bittet uns ihm zu folgen. Wir folgen ihm ins Kaminzimmer des Bergfrieds und treffen den Hohen Lehrmeister nicht alleine an. Der Bibliothekar Quanion, Baumeister Yandrim und natürlich Hüter Bormund, der ebenso die rechte Hand von Nicola ist, sind ebenso zugegen. Mit rauchiger Stimme fängt de Mott an zu sprechen und fragt nach unseren Namen und unserem Glauben. Nachdem er uns skeptisch beäugt hat, drängt er Ragnar zur Einhaltung der Gesetze, dass er sich hier, außer im Notfall, nicht der Magie bedienen darf, doch als Ragnar eine genaue schriftliche Beschreibung eines solchen Notfalls will, funkt Hüter Bormund dazwischen. Offensichtlich ist er ganz und gar nicht begeistert, dass wir hier sind. Er hätte lieber die Bannstrahler hier, als ein paar dahergelaufene Abenteurer. Nicola beruhigt ihn und fährt fort.
Im Laufe des Gesprächs erfahren wir, dass seit ca. 1-2 Wochen immer wieder Unfälle auf der Baustelle passieren. Am 4. Rondra stürzte ein Dachdecker in die Tiefe und starb, nachdem er irgendwelche Gespinste sah und auf dem Gerüst begann wild rumzufuchteln, bevor er den Halt verlor. Einen Tag darauf seien aus dem Kräutergarten alle Thonnysblüten gestohlen worden. Als Nicola von seiner Reise aus Gareth zurückkam, wurde er von unbekannten Strauchdieben überfallen, die seine geweihten Begleiter töteten und er kam nur dank den Zwergen knapp mit dem Leben davon. Allerdings war das schon an den namenlosen Tagen. Und wer reist ist der Zeit schon durch den Finsterkamm. Kurz vor seiner Rückkehr sei auch noch der Altar der Kapelle mit Blut besudelt und entweiht worden. Alles in allem gehe hier irgendetwas Furchtbares vor sich und er bittet uns um Schutz und Nachforschungen, wie auch Nachtwachen.
Wir bitten ihn noch um weitgehende Befugnisse, was das Betreten unbefugter Räume angeht, was kein Problem sein soll unter Aufsicht. Nur die Bibliothek dürfen wir selbstverständlich nicht betreten.

Als wir uns zur Nachtruhe begeben, fällt Kaldrim plötzlich ein, dass er heute Tsafest hat und wir müssen lachen. Leider ist ihm das recht spät eingefallen, doch nichts desto trotz gratulieren wir ihm, teilen die Nachtwachen ein und versuchen zu schlafen. Als ich mich zur Seite drehe und zu Ragnar schaue muss ich schmunzeln. Er hat sich tatsächlich 2 Feldbetten hintereinander gestellt, damit er sich ausstrecken kann. Ich drehe mich auf die andere Seite, schicke ein kurzes stilles Gebet zu Rondra, dass sie mir die Kraft gibt, unter den wachen Augen des Götterfürsten zu bestehen und ich nicht zu sehr fehl gehen möge.

Im Finsterkamm

5. Rondra 1017 BF

Der Regen hat endlich aufgehört. Trotzdem ist es kalt. Ich wurde zur Hundswache geweckt und als die Sonne aufgeht, mache ich mir einen Becher heißes Wasser mit einem Schuss Schnaps und wecke Kaldrim. Er wollte mir zeigen wie schön die Berge sein können. Ehe dieser zu sich kommt, höre ich Ragnars Stimme hinter mir und er erzählt mir von dem Verband seiner Sippe und seinem Gott Swafnir. Seine Art zu glauben, ist eine andere als der Glauben zu den Zwölfen und ich muss eingestehen, dass Kaldrims Worte gestern Abend schon richtig waren, dass der Glaube jedem sein eigen ist. Ich entschuldige mich bei den beiden und werde versuchen in Zukunft etwas weniger dunkel zu denken. Vielleicht lebt es sich tatsächlich leichter, wenn man sich ein wenig weniger sorgt. Als Kaldrim endlich aus seinem Zelt kommt, beschreibt er die Berge als das was sie sind, Hüter der Schätze von Erz und Gold, schlafende Götter, Schöpfer der Zwerge. Ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Niemals zuvor habe ich mir Gedanken darüber gemacht. Aber wozu auch, ich kann diesen Gebirgen ja doch nichts abgewinnen. Ebenso erzählt mir Kaldrim von seiner Heimat und ich frage nach seiner Familie, doch ehe er mir antwortet, hören wir plötzlich einen seltsamen Gesang. Ragnar steht am Rand des Lagers, schaut in die Ferne und hat einen tiefen Gesang angestimmt. Seine Hände klopfen dabei rhythmisch auf seine Brust und die Worte die er singt, sind uns unbekannt. Nachdem er fertig ist, gehe ich zu ihm und frage nach, ob das Lieder von seinem Volk sind und was er denn gerade besungen hat. Es war ein uraltes Lied der Hjaldinger, das ihm Kraft verleiht. Gedankenversunken starre ich schweigend in die Ferne und hoffe, dass das was kommen mag, nicht allzu schlimm wird.

Ehe wir aufbrechen, wirft Ragnar seine Krötenhaut in den Abgrund und fühlt sich nun befreiter. Jetzt erst bemerke ich seinen stattlichen Oberkörper, der wohl auch tätowiert zu sein scheint. Ich hatte bisher nie wirklich auf ihn geachtet, nicht mal, als wir uns in Rhodenstein das Zimmer teilten. Er scheint bemerkt zu haben, dass ich ihn betrachte, denn er fängt an, sich im Sattel zu strecken und zu räkeln, so dass seine Muskeln erst recht zum Vorschein treten. Er wird niemals so sein, wie die südländischen Magier. Sein Leinenhemd trägt er locker geschnürt, seine Haare wallen über seinen Fellumhang. Er bleibt ein Nordmann, wie er im Buche steht. Nur dass er zaubern kann ist untypisch für solch einen Hünen. Wenn ich an seine jähzornigen Ausbrüche denke, so bleibt er auch ohne seine nietenbesetzte Lederrüstung eine beeindruckende Person.

Gegen Mittag gelangen wir unversehrt durch eine Ogerklamm, in der die Zwerge uns zur Ruhe mahnen, da es hier immernoch Oger gibt. Glücklicherweise begegnen wir keinem, doch links von uns erkennen wir in einer tiefen Schlucht viele Skelette. Doch sie scheinen eher orkisch zu sein und ein Mönch erzählt uns, dass im Orkensturm die Klamm einfach zu eng war für die stürmenden Massen und so mancher Ork in den Tod stürzte.

Als ich mich irgendwann zu Kaldrim zurückfallen lasse, frage ich ihn erneut nach seiner Familie und seiner Heimat und im Gespräch kommt heraus, dass er eigentlich nur ein Abenteurer ist, der alles Schöne auf Dere liebt, seien es die Frauen, der Wein, Gewänder, Poesie, Schmuck oder sonstiges. Und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, der zweitbeste Charmeur Aventuriens zu werden. Als ich ihn frage, warum nur der zweitbeste, erklärt er mir verschmitzt, dass er ja sonst keinen Ansporn mehr hätte sich zu verbessern. Das Gespräch ist recht amüsant und wir lachen beide. Die Klosterbrüder tadeln uns mit ihren Blicken und ich muss an Ardo denken. Doch Kaldrim hat so eine aufmunternde Art, dass es gerade mal gut tut ein wenig die Seele baumeln zu lassen, anstatt schon wieder düsteren Gedanken den freien Lauf zu lassen. Er zaubert erneut eine Blume aus seinem Umhang und steckt sie Soraya an den Sattel, mit fester Überzeugung, dass keine Frau seinem Charme entkommt. Es ist so eine herzliche Geste, dass ich nicht umhin komme ihm tatsächlich Recht zu geben. Ragnar kommt hinzu und ich erkundige mich nach seiner Familie in seiner Heimat. Als er mir erklärt, dass Thorwaler Sklavenhalterstädte überfallen und brandschatzen, kommen wir auf Al'Anfa zu sprechen und meine Stimmung verdüstert sich wieder ein wenig. Ich erzähle ihnen wie ich nach Al'Anfa kam und das Ishar immernoch nach mir sucht. Ragnar kann das alles nicht verstehen, warum ich nicht schon längst nach Vergeltung verlangt hätte, sondern wie bei Sulman immer nur davon laufen würde. Doch andere Länder andere Sitten. Kaldrim baut mich wieder auf, dass meine Gefährten mich schützen würden und schlägt nach alldem vor, irgendwann mal gemeinsam feiern zu gehen um die Gefallenen mit Geschichten zu ehren. Ein schöner Gedanke und ich nehme mir fest vor ihn beim Wort zu nehmen. Ich habe mich niemals wirklich von den meinen verabschieden können, vielleicht würde es mir gut tun, wie auch schon das Gespräch an sich gut tat, mir mal ein wenig von der Seele zu reden. Ich wünschte nur, Ardo hätte das alles auch erfahren.

Ansichtssache

4. Rondra 1017 BF

Der Regen wird immer stärker. Der Weg verwandelt sich in einen schmalen Gebirgspfad. Die Gebirgswände verschwinden in den nebligen Wolken und der Weg wird steiler. Die Wälder und Sträucher sind kargem Gestein und Krüppelgewächsen gewichen. Auf unsere Nachfrage, ob es eigentlich eine Höhle gibt in der Nähe des Klosters, ist nichts bekannt, doch im Gebirge gäbe es sicherlich immer irgendwo Höhlen.

Als ich Kaldrim anspreche, warum er nicht mehr mit mir spricht, diskutieren wir wieder einmal, doch dieser Zwerg ist wie immer uneinsichtig. Er redet von der Wahrheit und der wichtigen Zusammenarbeit mit der Kirche. Ich dagegen bin verärgert, dass er uns angepriesen hat wie ein Goldkettchen. Er selbst hat doch in der Garnison gelogen. Allem Anschein nach legt er sich meist alles so zurecht wie er es braucht und geht so recht sorgenfrei durchs Leben, im festen Glauben, dass die Götter es so für gut erachten. In den Dingen, die wir bisher erlebt haben, sehe ich unser Versagen, während Kaldrim unsere Erfolge sieht. Er ist durch und durch ein Optimist. Die Elfen haben ihm scheinbar einen anderen Blickwinkel gezeigt und so sieht er überall nur das Gute, selbst in diesem kargen Gebirge und seinem ewigen Regen.

Es ist mittlerweile Abend geworden und nach dem Gezanke mit Kaldrim reite ich an die Spitze des Zuges und frage nach, wann wir das Nachtlager aufschlagen. Nach kurzer Beratung nächtigen wir dort, wo wir gerade sind und ich ziehe mich zurück, setze mich unter Soraya und starre in die Dunkelheit.

Mich haben wieder einmal alle Zweifel eingeholt. Erst verlor ich meinen Glauben an die Zwölfe und an Rondra. Dann fand ich wieder zu ihr und doch nagen immer wieder Zweifel an mir. Jetzt wo ich gerade wieder Halt fand, verurteilt die Kirche auch noch Ardo zu Unrecht. Das ist einfach ungerecht.
Meine Seele mag dunkel überschattet sein, aber wen wunderts. Seit dem Tod meiner Mutter finde ich keine Ruhe. Selbst Ishar hat mich gefunden. Wie konnte ich nur so naiv sein und denken sie hätte mich vergessen. Ich ging davon aus, sie denkt ich sei tot. Erkennen würde sie mich eh kaum wieder. 10 ganze Jahre ist es nun schon her und insgesamt bin ich seither um 30 Götterläufe gealtert. In ein paar Tagen habe ich mein 27. Tsafest, aber als ob das je jemanden interessiert hätte seit Mutters Tod.
Ob ich jemals all die Dinge, die geschehen sind, vergessen oder verzeihen kann, um ein wenig mehr Licht in meine Seele zu lassen? Man könnte den Zwerg schon fast beneiden. Vielleicht sollte ich ihm eine Chance geben, ein wenig Freude auf mein Gemüt werfen zu lassen. Selbst Ragnar findet das Wetter angenehm und er hat Recht - ständig bin ich unzufrieden mit dem Wetter, egal wo wir sind. Aber zu den Niederhöllen, es ist ja auch immer miserabel. Warum werde ich auch immer in den Norden gerufen?

Trotz meiner vielen Zweifel bete ich zu Rondra für uns und Ardo, und falle irgendwann in den Schlaf.

Orks

3. Rondra 1017 BF

Am 1. Rondra brachen wir auf mit den zehn Mönchen, den beiden Zwergen, die im Übrigen nicht wirklich gesprächig sind, und vier weiteren Greifenfurtern. Auch Boronhild kam uns noch hinterher gelaufen und bat Kaldrim Arthak mitzunehmen, da er nur noch davon sprach uns begleiten zu müssen. So nahm sich Kaldrim seiner an, doch spricht er seit unserem Streit im Stier kein Wort mehr mit mir. Das Wetter ist nicht wirklich sommerlich. Es ist kühl, windig und die ganze Zeit begleitet uns Nieselregen.

Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Rinderhof, doch gestern mussten wir im Freien nächtigen. Die Zwerge teilten die Nachtwachen ein und gaben mir die Hundswache. Bei nebligem Nieselwetter zu so später Stunde war es fast ein Wunder, dass ich sie kommen hörte. Wir wurden des nachts von fünf Orks überfallen. Das war das erste mal, dass ich diese Wilden überhaupt sah. Doch viel entgegenzusetzen hatten sie nicht wirklich. Bevor ich meinen Gegenüber jedoch töten konnte, bemerkte ich Unruhen bei den Packpferden und als ich dorthin stürmte, zogen sich einige weitere Orks fluchtartig in den Wald zurück und ich verzichtete auf eine Verfolgung. Diese abgerissenen Halunken waren wohl nur auf den Proviant aus und hatten nicht mit Gegenwehr gerechnet. Die Mönche kümmerten sich um die vier toten Orks. Sonst ist niemandem etwas passiert.
Ragnar beschreibt mir allerdings, dass diese Orks wirklich geschwächt und ausgemergelt waren. Wenn sie stark gerüstet und kräftig sind, so sagt man, kämen auf einen Ork zwei Männer, denn sie seien gefürchtet und wild. Er erzählt mir, sie hätten eine Kultur, einige leben sogar in Thorwal. Es ist mir unbegreiflich wie sie solche pelzigen Wilden unter sich leben lassen können, noch dazu bei allem was sie hier oben angerichtet haben.

Der Orden der Hüter

29. Praios 1017 BF

Als wir gerade beim Frühstück sitzen, kommt ein Junge hereingestürmt, schaut sich suchend um und kommt auf uns zu. Er stammelt etwas von Kaldrim und wir sollen sofort zum Praiostempel kommen. Ich schnappe mir noch ein Brot, nehme noch einen Schluck Bier und wir eilen zum Tempel. Auf dem Weg dorthin sehen wir noch zwei auffällige Zwerge, die schwer gerüstet mit einem Morgenstern wohl auf dem Weg zum Stier sind. Kaldrim erwartet uns schon und wir erfahren, dass die Mönche eingetroffen sind und diese einen Aushang in der Stadt angenagelt haben. Das Kloster sucht Hilfe beim Wiederaufbau, Handwerker jeglicher Art und Recken zum Schutze ihrer Mauern. Ebenso hat Kaldrim eine Leiche über einem der Pferde liegen sehen. Die beiden Zwerge, die uns begegneten, gehören ebenfalls zum Trupp und wir einigen uns darauf, dass Ragnar zurück zum Stier geht um mit ihnen zu sprechen, während Kaldrim und ich uns in den Tempel begeben um mit den Mönchen zu reden.

Wir erfahren vom Leiter des Trosses, dass das Kloster 849BF erbaut wurde, von einem Pilger namens Herbald, später Arras de Mott genannt, der von Praios erleuchtet wurde. Dieser solle ein Bollwerk wider des Unglaubens errichten und so entstand das Kloster Arras de Mott, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, verbotene Schriften und Artefakte gegen den wahren Glauben zu sammeln und verborgen zu halten. 1012 wurde es jedoch von den Orks überrannt und weitgehend zerstört. Alle Mönche wurden getötet. Nur Nicola de Mott konnte mit zwei Brüdern fliehen und mithilfe und Unterstützung von Jariel Heliodan zog Nicola mit 30 neuen Brüdern aus der Umgebung 1016 zurück und seitdem errichten sie das Kloster neu und sie können jede Hilfe brauchen.

Auf dem Weg hierher wurden sie von Orks überfallen und einer der Brüder wurde getötet. Ebenso gäbe es seit einiger Zeit seltsame Fälle von Sabotage bei den Bauarbeiten und andere mysteriöse Geschehnisse, über die wir aber eher mit Nicola de Mott sprechen sollten. Kaldrim bietet ihm sofort unsere Hilfe an und wirbt noch damit, dass wir die Umtriebe in Weiden bekämpft hätten und bereits mit der Praioskirche erfolgreich zusammengearbeitet haben auf dem Praioskonvent in Anderath. Ich verdrehe die Augen. Soviel hätte er ihm nun wirklich nicht erzählen müssen.
Hüter Emmerich fragt noch nach Ragnar und ist ein wenig verunsichert, da Ragnar ein Magus ist, doch wir versichern ihm, dass er nur zaubert, wenn es denn unbedingt notwendig ist. In zwei Tagen sollen wir uns früh morgens am Praiostempel zum Aufbruch treffen.

Wir treffen wieder auf Ragnar und dieser ist alles andere als begeistert. Gute Zusammenarbeit in Anderath ? Ragnar erinnert Kaldrim daran wie er wutentbrannt mit Beschimpfungen auf den Lippen den Konvent verlassen hat. Ausgerechnet er soll mit in ein Praioskloster!? Während Kaldrim immernoch alles schön redet und von schöner Aussicht in den Bergen faselt, versuche ich Ragnar zu beruhigen, doch wettere ich ebenfalls gegen Kaldrim mit seinem nervigen Optimismus. Er scheint alles nur noch mit irgendwelchen positiven Elfenaugen zu sehen. Doch ich kann Ragnar klar machen, dass wir wegen den Mönchen hierher geschickt wurden und es unsere Aufgabe ist sie zu begleiten. Während Kaldrim sich eingeschnappt in sein Gasthaus zurückzieht, verlässt Ragnar ebenfalls wutentbrannt den Stier, irgendwas von Weibern brummelnd. Ich kippe mir einen Schnaps nach dem anderen runter und fange an mit ein paar Kerlen Karten zu spielen, was in einer heftigen Schlägerei ausartet, da ich eh schon gereizt war und nur darauf gewartet habe mich prügeln zu können. Irgendwann fliegen Stühle und Tische und als Ragnar zurückkehrt, findet er mich ziemlich betrunken und lädiert mit einem Veilchen am linken Auge, auf einer Bank sitzend. Neben mir ein anderer übel Zugerichteter auf dem Boden sitzend, mit dem Kopf unter meinem Arm eingeklemmt. Ich lasse ihn fallen, lalle Ragnar noch irgendwas zu und wanke ins Bett.

Arthak, der Zwerg

28. Praios 1017 BF

Ich begebe ich mich noch vor dem Frühstück zum Praiostempel. Ich habe es satt zu warten. Vielleicht weiß man dort etwas von den Mönchen. Als ich gerade eine Gasse entlang laufe, höre ich hinter mir einen Pfiff. Ich bleibe stehen, wende mich um und sehe einen seltsamen Zwerg am Strassenrand sitzen, der mich grinsend anstarrt. Im nächsten Moment kracht hinter mir eine riesige Palette mit Steinbrocken herunter. Ein furchtbarer Schreck fährt mir in die Knochen und ich schaue nach oben. Der Seilzug ist gerissen und ein großer Aufruhr der Handwerker entsteht. Mein Herz rast, hätte der Zwerg nicht gepfiffen, wäre ich jetzt tot. Ich gehe auf ihn zu und er grinst mich nur an. Seine grauen Haare stehen in alle Richtungen und er hat einen völlig wirren Blick. Sein Name ist Arthak und er scheint geistig verrückt zu sein. Er faselt was davon, dass er mich gefunden hat, weiß jedoch nicht wer ich bin. Er redet wirr, erwähnt aber "Führt die Brüder heim". Im nächsten Moment kann er sich nicht daran erinnern. Er möchte nach Hause gehen und ich begleite ihn. Eine nette ältere Frau, Boronhild, nimmt ihn gleich in Empfang und fragt nach, was er denn wieder angestellt hätte. Von ihr erfahre ich was mit dem Zwerg geschehen ist.

Vor einiger Zeit gab es in der Stadt einen geistig Verrückten, der ständig mit irgendwelchen Prophezeiungen um sich warf. Arthak war zu der Zeit noch ein wackerer Verteidiger der Stadt gegen die Orks. Es stellte sich jedoch heraus, dass viele Prophezeiungen vom verrrückten Urien zutrafen. Deshalb sperrte man ihn aus Angst in ein Turmzimmer im Frauenturm. Ein alter Turm in der Garnison, etwas besser eingerichtet als ein Kerker. Eines Tages jedoch fand man ihn mit eingeschlagenem Schädel in seinem Bett. Vor ihm Arthak mit seiner Axt auf dem Boden sitzen. Man weiß bis heute nicht wie er dort hineingelangte. Seitdem ist Arthak ebenso verwirrt wie Urien. Lange Zeit hat man ihn ebenfalls dort eingesperrt. Nach den Orks hat man ihn irgendwann freigelassen und Boronhild kümmert sich seitdem um ihn. Das Turmzimmer sei seitdem versperrt und keiner wagt sich hinein aus Angst das Zimmer mache einen verrückt.
Als ich ihr erzähle, wie er mich gerettet hat und dass er mich scheinbar suchte, aber nicht weiß, wer ich bin meint sie nur: "mancher der arm im Geiste scheint, in Wahrheit ein Liebling der Götter ist"
Ich danke ihr vielmals, gebe ihr ein wenig Geld und mache mich auf zum Praiostempel.

Ich komme in einen beeindruckender Tempel mit viel Gold, Marmor und sonstigem Prunk, knie kurz nieder und schicke ein kurzes Gebet zu Praios "Götterfürst, schicke uns dein Licht in der Dunkelheit und erleuchte unseren Weg, wenn wir im Finsteren wandeln." Ich stehe auf und wende mich an einen Novizen. Zu meiner Frage zu den Mönchen, kann er mir erzählen, dass es in der Nähe einen alten Praiosorden gibt. Den Orden der Hüter, der Orden von Arras de Mott. Das Kloster liegt nördlich von hier im Finsterkamm. Ich bedanke mich, verlasse den Tempel und mache mich auf zur Garnison. Wie nicht anders erwartet werde ich abgewiesen und gehe zurück zum Gasthaus.

Dort sitzt Kaldrim bei Ragnar und ich traue meinen Augen kaum. Er ist noch seltsamer gekleidet als früher und spricht noch komischer. Sogar elfisch kann er ein wenig, was sich sehr seltsam aus seinem Munde anhört. Ich erzähle beiden von Ardos Verurteilung und sie sind ebenso schockiert. Kaldrim lässt sich wütend über Rhodenstein aus und wir sind uns einig, dass die Rondra-Kirche falsch entschieden hat.
Als ich ihnen von Arthak erzähle, suchen wir ihn nochmal gemeinsam auf und wieder stammelt er nur verwirrte Dinge vor sich hin "Führt die Brüder heim" und wir sollen eine "Lichtlose Grotte in Sumus Leib finden". Auf Kaldrims Drängen nach Informationen zum Frauenturm wird Arthak verschlossener und ängstlicher, aber wirklich viel bekommen wir nicht aus ihm heraus.

Kaldrim ist versessen darauf sich das Turmzimmer anzuschauen und wir gehen nochmals zur Garnison. Da ich schon einmal abgewiesen wurde, bleibe ich abseits stehen und bin gespannt wie Kaldrim das anstellen will, dort hinein zu gelangen. Nach kurzer Diskussion, in der ich den Zwerg heftig gestikulieren sehe, werden er und Ragnar tatsächlich eingelassen und ich warte ab. Nach nicht allzu langer Zeit kommen die beiden siegessicher zurück. Ihnen wird sogar salutiert und als ich nachfrage wie sie das fertig gebracht haben, erfahre ich, dass Kaldrim sich als Graf von Weiden ausgegeben hat, Ragnar als Hochmagus bezeichnete und dem Hauptmann Feuer unterm Hintern gemacht hat. Frechheit siegt, doch ich bin entsetzt, über solch eine Dreistigkeit.
Im Turmzimmer haben sie nur eine Kritzelei an der Wand entdeckt.
"Sieh die Zeichen dessen, der kommt von Osten,
Wehe, wenn das Vergangene nach der Zukunft greift,
denn höre, finster ist das, was im Finsteren reift."

Gegen Abend begeben wir uns gemeinsam wieder zum Stier und auch Kaldrim wird der Tairach-Taufe unterzogen, hält sich jedoch wacker und auch diesmal werden die Anwesenden enttäuscht. Doch zum Schlafen begibt sich der Zwerg selbstverständlich in das gehobenere Gasthaus.

Greifenfurt

24. Praios 1017 BF

Schon fast zwei Wochen bin ich nun schon hier, doch keine neuen Hinweise wo meine Hilfe von Nöten sein soll. Weder Ragnar noch Kaldrim sind bisher aufgetaucht, doch habe ich im anderen hiesigen Gasthaus, eher das noblere, eine Nachricht hinterlassen für die beiden, dass ich im "Stier" verweile. Ich habe erfahren, dass die Stadt vom Orkensturm zerstört wurde, doch sie wurden wieder zurückgetrieben und der Wiederaufbau geht langsam voran. Die braunbekutteten Mönche habe ich bisher auch nicht gesehen. Auf die Frage nach einem Kloster, konnte mir meine Wirtin auch nicht weiterhelfen. Den einzigen Tempel den es hier gibt ist ein prachtvoller Praoistempel.

Als ich jedoch eines Abends wieder vor meinem "Greifenfeuer" sitze, betritt plötzlich Ragnar die Stube und wir trinken erstmal ordentlich einen auf unser Wiedersehen. Was ihn hierher führte ist ebenso suspekt wie mein Gemälde. Er wurde in Baliho von einigen angesprochen, dass sie mit ihm in Greifenfurt zusammen getrunken hätten, obwohl er noch niemals dort war. Er vermutet, dass der Gestaltenwandler vielleicht sein Unwesen treibt in seiner Gestalt. Die Wirtin erkennt ihn jedenfalls nicht und an ihn hätte sie sich erinnert.
Auch er wird zur Tairach-Taufe verleitet und kippt das Zeug ebenfalls in einem Zug hinunter. Wir verbringen gemeinsam ein paar Tage in Greifenfurt und warten auf Kaldrim, da wir uns sicher sind, dass er auch noch eintreffen wird.