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Donnerstag, 16. Juli 2015

Mhanadi-Delta

15. Rondra 1009 BF

Wir haben das Mhanadi-Delta erreicht. Es ist immernoch sehr heiss, doch die letzten Tage ist die Landschaft hügeliger gewesen und die Hitze ist nicht mehr ganz so trocken. Die Nächte waren angenehm und lau.

Gestern Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich träumte von meiner Mutter und von Ishar, die ihr den Todesstoss gab. Ich werde ihren letzten Blick und ihre letzten geflüsterten Worte nie vergessen. Gestern vor genau zwei Jahren ist all das passiert. Ich wälzte mich unruhig hin und her, doch plötzlich spürte ich eine freundliche beschützenden Wärme neben mir und als ich die Augen aufschlug lag Tar neben mir und schaute mich mit treuen Augen an. Ich kraulte dem braven Hund das Fell und versuchte weiterzuschlafen. Tiere haben eben doch ein Feingefühl, dass den Menschen immer wieder überrascht.

Wir kommen näher nach Khunchom. Schon von Weitem flimmert die Stadt wie ein Goldschatz. Wir sehen Unmengen von schneeweissen Türmchen, weisse Gebäude mit goldenen Kuppeldächern und die Stadt ist umsäumt mit weissen Mauern. Wir sind nicht allein auf der Hauptstrasse. Viele Menschen drängen zur Hauptstadt und viele kommen uns entgegen. Hier herrscht reger Verkehr und es wird ein wenig dauern bis wir unseren Weg in die Stadt gebahnt haben.

Aranien

6. Rondra 1009 BF

Aranien - ich fühle meine Lebensgeister in mir erwachen. Wir haben Hochsommer und die trockene Hitze bringt die unzähligen goldenen Weizenfelder zum Flimmern. Es duftet nach Yasmin und unzähligen Blumen und Kräutern. Wir marschieren bis Baburin. Vor der Stadt ist ein Heerlager, dass mich an alte Zeiten erinnert, als ich selbst noch Soldatin war. Man sieht viele schwer bewaffnete Frauen und edle Pferde Araniens. Als wir ans Stadttor kommen lassen uns die Stadtwachen ungehindert durch und wir suchen uns ein Gasthaus. Ich verabschiede mich für ein paar Stunden von meinen Gefährten.

Heimat! Auch wenn ich nicht nach Zorgen komme und auch derzeit nicht will, denn ich bin immernoch eine Verurteilte des Landes, so fühle ich mich doch wie zu Hause. Die Stadt ist voller Leben. Ich suche einen Händler auf und kleide mich in angemessene Kleidung neu ein. Endlich werde ich dieses barbarische Lederzeug los. Benayman Radulf von Runderock heisst der gute Mann, der mir alle meine Wünsche erfüllt. Bei einer schönen Tasse Apfeltee kommen wir ins Plaudern und ich komme mit allerhand Dingen aus dem Laden. Ich suche noch ein Badehaus auf und genehmige mir ein herrlich duftendes Bad. Danach mache ich mich zurecht, dass ich mir fast sicher bin, dass mich niemand aus dem Mittelreich je wieder erkenne würde. Ich trage wieder eine Tuchrüstung. Ein neuer Khunchomer hängt an meinem Gürtel. Jegliche Körperbehaarung bis aufs Haupthaar ist entfernt und meine schwarzen Haare glänzen wieder, befreit von dem Strassendreck der letzten Wochen. In meinem Tuchbeutel findet sich noch normale Kleidung für besondere Anlässe und allerlei Nützliches für die Reise. Ich schlender noch durch die belebten Gassen und man begegnet mir wieder mit Respekt und Wohlwollen. Ich kaufe mir noch süsse Früchte und etwas Schmuck, 2 goldene Armreifen und 2 grosse glänzende Ohrringe baumeln an mir und ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Ich fühle mich so glücklich wie seit ewigen Zeiten nicht mehr. Es ist nun fast zwei Götterläufe her, dass meine Mutter starb. Eine tiefe Traurigkeit erfasst mein Herz. Doch das unbeschwerte Leben in den Gassen und das Lachen einiger Kinder schieben die Traurigkeit schnell weg und ich muss lächeln. Das Leben geht weiter und ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen bevor ich an Rondras Tafel Platz nehmen darf und ich eile zurück ins Gasthaus.

Meine Gefährten erkennen mich kaum wieder und ich bringe sie zu Radulf, damit sie sich ebenso mit Kleidung ausrüsten können, die in dieser Gegend nicht so auffällt und ihnen die Hitze erträglicher macht. Ich erkläre meinen Begleitern, dass ich mich aus persönlichen Gründen evtl. auch mal unter einem anderen Namen vorstellen werde. Zum Glück hinterfragt das keiner der beiden, sondern lassen meine Sorgen auch meine Sorgen sein.

Morgen reisen wir nach Khunchom weiter.

Ein neuer Wegbegleiter

3. Rondra 1009 BF

Wir sind in Wasserburg angekommen. In einem Gasthaus erwartet uns ein ungewohntes Bild. Der Wirt ist völlig verängstigt. Ausser uns ist nur noch eine Gruppe betrunkener Soldaten anwesend. Raue Gestalten, einer der wohl der Anführer ist, eine Frau und zwei weitere Betrunkene, der letzte der Truppe scheint schwer verletzt. In der Nähe der Gruppe sitzt ein junger Soldat, schwer verprügelt an einer Holzsäule gefesselt. Immer wieder bekommt er Tritte und Schläge. Wir lassen uns von den Männern nicht einschüchtern und haben beschlossen dem Soldaten zu helfen.

Wir warten ab bis sie noch betrunkener sind um eine Befreiungsaktion zu starten.

Zu fortgeschrittener Stunde sind zwei der Männer so sturzbetrunken, dass sie auf dem Tisch einschlafen. Nun sind nur noch der Kopf der Bande und die Frau wach, jedoch auch stark alkoholisiert.

Ich begebe mich zum Gefangenen, doch wie erwartet versuchen mich die beiden aufzuhalten. Tarea und ich machen mit den beiden kurzen Prozess. Während wir die Frau erstmal kampfunfähig machen und ich noch mit dem Anführer beschäftigt bin, befreit Tarea den jungen Soldaten und dieser gibt meinem Gegenüber rücklings den Todesstoss.

Wir erfahren, dass die Truppe Anhänger Answins sind und der junge Weidener wohl immernoch die Treue zu Brin hält, was ihm wohl zum Verhängnis wurde.

Verdammt wir haben uns mit Answin Getreuen angelegt, das wird Folgen haben. Ich schneide der noch lebenden Frau die Kehle durch... es fühlt sich an wie in der Al ´Anfa und mein Herz ist von einer Kaltblütigkeit erfüllt, die selbst mir Angst macht.

Zwei der Männer schlafen immernoch auf dem Tisch und haben von alldem nichts mitbekommen.

Wir packen schnell unsere Sachen und verschwinden. Wir haben Zeugen hinterlassen, jedoch ist keiner von uns so herzlos auch Unschuldige zu töten nur, damit wir nicht wiedererkannt werden. Ich hoffe sie denken wir ziehen nach Perricum. Keiner weiss, dass wir nach Khunchom wollen.

Haldan Damotil, wie der Soldat sich uns vorstellte, zieht es auch aus irgendeinem wichtigen Grund nach Khunchom. Welcher Grund verrät er uns nicht. Aber wozu auch, jeder hat sein Bündel zu tragen. Es weiss ja auch noch keiner was von meiner Vergangenheit.

Erstmal weg hier bis wir uns einigermassen in Sicherheit wiegen können. Auf alle Fälle werden wir weiterhin zusammen reisen.

Silkwiesen

30. Praios 1009 BF

Wir werden von Tareas Eltern herzlich empfangen. Nach einem angenehmen Bad, einem leckeren Essen und bei wohltuendem Tee verbringen wir einen netten Abend. Auch wenn ihre Mutter sehr besorgt ist, werden wir morgen nach Osten aufbrechen.

Tarea hat noch das Nötigste von zu Hause mitgenommen. Wir haben endlich wieder ein Seil und sonstige wichtige Dinge die wir auf Reisen gebrauchen können. Nach vielen Tränen ihrer Mutter machen wir uns auf den Weg zur Reichsstrasse nach Osten.

Wieder in Gareth

29. Praios 1009 BF

Tarea und ich haben uns von Naheniel verabschiedet und reisen nach Gareth. Tarea möchte noch bei ihren Eltern in Silkwiesen vorbei ehe wir gen Osten aufbrechen.

In Gareth hat eine Stadtwache mir den Weg nach Gareth verwehrt. Dieser hochgestochene Gardist kann mir mal den Buckel runterrutschen.

Ich werde die Nacht vor den Stadttoren verbringen und erwarte Tarea morgen am Südtor.

Aufbruch nach Süden

25. Praios 1009 BF

Die Gedanken schwirren mir wirr durch den Kopf
Khunchom.... Tulamiden.... wir müssen durch Aranien.... Heimat...Ich komme wieder nach Hause...Doch plötzlich erschreckt mich der Gedanke!

Welchen Weg werden wir nehmen? Über den Rashtulswall? Durchs Gebirge ist es immer gefährlich. Oder werden wir über die Strassen durch Aranien reisen? Was wenn jemand mich erkennt? Ich muss mir einen anderen Namen geben. Doch was ist mit Tarea ? Sie weiss es noch nicht. Soll ich es ihr sagen? Sie hat wohl ein Recht darauf. Auf jeden Fall muss ich vorsichtig sein, wenn wir durch meine Heimat reisen...

Solange wir nicht nach Zorgan kommen, sollte alles glatt gehen. Meine Rache werde ich später vollziehen.

Ich sollte wieder meinen anderen Namen benutzen, doch den muss ich Tarea erklären. Ich werde sie im Lauf der Reise ins Vertrauen ziehen.

Doch jetzt noch nicht, nichts unüberlegt überstürzen. Aber sie hat mein Vertrauen verdient. Hätte sie uns nicht gerettet, wären wir wohl schon tot. Und eigentlich ist sie ja ganz süss. Der Magier geht nicht mit, bei den Göttern, ich danke euch. Er hat andere Dinge zu erledigen.

Wir brechen morgen auf. Wir werden die Strasse nehmen durch Aranien. Rondra sei mir gnädig, dass mich niemand dort erkennen möge.